Papa, warum dauert es so lange bis der Zug durchfährt?

Papa, warum dauert es so lange bis der Zug durchfährt?

Setze dich mein Kind, nimm dir einen Saft und habe Geduld, es dauert bis der Zug durch ist.

Nun weißt Du das ist eine Frage die sich tausende von Menschen jeden Tag an den Bahnschranken fragen. Warum dauert es so lange bis der Zug durchfährt? Was passiert da? Müssen wir uns Sorgen um den Zug machen? Es geht sogar soweit dass elementare Fragen des Lebens gestellt werden.

Wo kommt er her, wo will er hin, wie lange braucht er dafür?

An den Tag den ich mir ausgesucht hatte um dies herauszufinden erinnere ich mich noch als wäre es gestern gewesen. Die Luft war klar und warm. Die Sonne stand noch nicht ganz hoch am Himmel, lächelte mich aber bereits an und sorgte für eine richtige Wohlfühltemperatur für die Tageszeit.

Wir wohnten damals nicht weit Weg von einer Bahnschranke. Um ehrlich zu sein konnte ich die Bahnschranken schon von unseren Balkon in der ersten Etage aus sehen. Trotzdem ging ich damals raus und wartete bis der erste Zug gegen 8.30 Uhr kam.

Kurz bevor es soweit war nahm ich eine versteckte Position hinter einem dicht gewachsenen Gebüsch direkt neben den Bahnschienen ein. Das Verstecken war eigentlich nicht nötig gab dem Vorhaben aber die richtige Atmosphäre. Ich zündete mir, vor lauter Nervosität was mich erwarten würde, eine Zigarette an und nahm einen tiefen schnellen Zug (kleines Wortspiel). Dann geschah es.

Die Ampeln an den Bahnschranken sprangen auf Rot, das typische Bimmeln begann und die Schranken haben sich gesenkt. Ich schaute von meinem Versteck aus nach Links und nach rechts aber es kam noch kein Zug.

Die Schranken waren mittlerweile seit einer Minute unten und meine Nervosität stieg. Nun geschah es. Die Antwort auf die ersten beiden Fragen für diesen Zug konnte ich endlich beantworten.

Der Zug kam von rechts, was mein Glück war da die Strecke rechts sehr gerade verlief und daher weit einsichtig war. Aus meiner Erfahrung heraus und einer komplizierten Formel welche ich vorher erstellt hatte konnte ich berechnen dass der Zug geradewegs nach links fahren würde.

Kurz bevor der Zug an mir vorbeifuhr passierte nun etwas vollkommen unerwartetes. Die Luft fing an zu flimmern, so wie an heißen Sommertagen der Asphalt von der Straße tat, und die Kontur des Flimmerns verdunkelte sich. Der Zug passierte die Stelle und…

er verlangsamte sich rapide aber anscheinend so das der Zugführer davon nichts bemerkte. Es war so als würde der Zug sich in einer in sich geschlossenen Slow Motion Szene wie im Film bewegen.

Was mich an der Stelle wunderte war das dies anscheinend nie einem Fußgänger an den Schranken aufgefallen war, weshalb ich mein Versteck verließ und einmal in Richtung der Bahnschranken ging. Je weiter ich mich entfernte um so weiter schien der Zug nun auch von der Position entfernt zu sein, von der er kam und umso schneller bewegte sich dieser auch.

An der Bahnschranke angekommen sah es so aus als sei der Zug ungefähr 2 km entfernt und würde sich normal schnell bewegen. Ich ging schnell wieder zurück zum Gebüsch und schaute nochmal auf meine Uhr. Nach circa zwei Minuten war der Zug etwa 30 Zentimeter weitergekommen, das Flimmern verschwand und er bewegte sich im normalen Tempo über die Bahnschranken.

Ich konnte mir dies nicht erklären, also schrieb ich meine Erkenntnisse auf und sende diese an die einzige Institution von der ich mir eine Antwort erhoffte. Den örtlichen Bahnbetreiber. Nach einigen Wochen erhielt ich meine Antwort, von dessen Ehrlichkeit ich überrascht war.

Zusammengefasst stand in dem Brief dass dieses Phänomen auftritt wenn die Räder des Zuges aufgeheizt sind, sich die Schranken genau mit 3 cm pro Sekunde senken und der Zug welcher mit Strom betrieben werden muss mindestens 50 Stundenkilometer fährt, was heutzutage ja nicht allzu selten ist.

Hierbei entsteht ein minimaler Riss in der Raumzeit über den Schienen welcher dafür sorgt das der Zug sich für ungefähr 3 Minuten verlangsamt bewegt, aus der Ferne jedoch mit normaler Geschwindigkeit gesehen wird. Dies nimmt man aber auch nur deshalb so war da der Riss in der Raumzeit einen umgekehrten Lupeneffekt hat welcher von Anfang an den Zug weiter entfernt zeigt. In der Fachsprache spricht man hier von invertierter Raum-Zeit-Distanz oder dem Tschut-Phänomen.

Ich war genauso sprachlos wie Du mein Kind aber diesmal handelt es sich nicht um einen magischen Zauber sondern den Zauber der Physik.

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Björn

Mein Name ist Björn Pöhlsen, ich wurde 1985 im wunderschönen Duisburg Homberg geboren und wohne noch bis heute hier. Ich habe mittlerweile drei wunderbare Kinder, zwei Töchter (von 2003 und 2005) und einen Sohn (von 2015), welche meiner Frau und mir jeden Tag mal zu einen größeren und mal zu einem kleineren Abenteuer gestalten. Doch gerade das sorgt dafür das es Zuhause nie langweilig wird
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